Weitere Bilder
Ismail Atalan ist A-Lizenz-Trainer und hospitiert derzeit beim Bundesligisten FC Schalke 04. Foto Müller
DAVENSBERG/GELSENKIRCHEN. Ernst-Kuzorra-Weg, 9.12 Uhr, Minus vier Grad. Während die Schalker Profis draußen auf dem beheizten Platz trainieren können, geht‘s für die Reserve in die vereinseigene Turnhalle. Mit dabei: Ismail Atalan, 31 Jahre, Trainerpraktikant.
Seit 21 Tagen hospitiert Atalan auf Schalke, seit voriger Woche gehört er zum Stab von U23-Trainer Bernhard Trares (183 Bundesligaspiele für 1860 München und Werder Bremen). Nach und nach betreten die S04-Nachwuchskicker, derzeit auf Rang 13 in der Regionalliga-West, die Halle. Jeder Schritt, jeder Ballkontakt ist auf dem stumpfen Kunstrasen deutlich zu hören.
„Jungs, locker mit Ball warm machen“, ruft Trares. Seine Anweisung ist durch den Schall in jedem Winkel der Halle zu vernehmen. Keine Ausreden für die Fußballer. Sie schweigen. Wirken konzentriert. Während die Spieler die Übung machen, besprechen sich die Trainer.
Atalan, der für das Praktikum extra Urlaub genommen hat, hört zu. Der 31-Jährige, der normalerweise die Amateure von Landesligist Davaria Davensberg anleitet, beobachtet alles genau. „Von Bernhard Trares kann man unglaublich viel lernen“, sagt A-Lizenz-Trainer Atalan.
Bei den anschließenden Pass- und Torschussübungen steht Ismail Atalan am Spielfeldrand. Der blaue Trainingsanzug, Größe M, sitzt eng am Körper. Seine Arme sind hinter dem Rücken verschränkt. Hin und wieder spricht er mit den Spielern, sagt seine Meinung zu der jeweiligen Aktion.
„Die Jungs haben mich hier super aufgenommen. Alle sind sehr nett und sehr professionell“, sagt Atalan. Nach 93 Minuten beendet Bernhard Trares die erste Trainingseinheit des Tages. Am Nachmittag geht’s weiter.
Wir fahren derweil mit Ismail Atalan zum Vereinslokal. Auf dem Parkplatz winkt Atalan Willi Landgraf zu. Der ehemalige Fußballprofi (mit 506 Spieleen Zweitligarekord) trainiert inzwischen die Schalker C-Jugend.
Bei einer heißen Tasse Kaffee mit Milch gerät Ismail Atalan ins Schwärmen: „Schalke ist ein super Verein. Das sind hier traumhafte Bedingungen“, sagt der 31-Jährige und blickt dabei aus dem Fenster zum Trainingsplatz der Profis. Dort stand der Davensberg-Trainer neulich: „Wir haben mit der Reserve ein kleines Trainingsspiel gegen die erste Mannschaft gemacht“, erklärt Atalan und sagt dabei wie selbstverständlich „Wir“ – man merkt, das blau-weiße Virus hat ihn nach wenigen Tagen infiziert.
In seiner ersten Schalker Woche habe er einen überragenden Tomasz Waldoch kennengelernt. Der Ex-Kicker betreut die B-Jugend auf Schalke. Atalan lächelnd: „Wir lagen menschlich auf einer Wellenlänge. Ich durfte sogar komplette Trainingseinheiten leiten.“
In der zweiten Woche wechselte Atalan den Arbeitsplatz. Vom Spielfeld an den Schreibtisch. In der Scouting-Abteilung bekam der Davensberg-Trainer einen Einblick in die S04-Datenbank.
Insgesamt ist Ismail Atalan mit seinem Praktikum sehr zufrieden: „Das ist eine super Erfahrung. Ich konnte schon viele Kontakte knüpfen. Mein Ziel ist es jetzt, in zwei, drei Jahren selbst bei einem höherklassigen Verein an der Linie zu stehen.“