Samstag, 19. Mai 2012

Werbung für die OrganspendeMittwoch, 22. Februar 2012

Sie alle werben um eine höhere Bereitschaft zur Organspende (v.l.): Wolfgang Hartmann (Techniker Krankenkasse), Organspendebeauftragte Susanne Rauschenbach, Verwaltungsleiterin Monika Kleingräber-Niermann, Dieter Kemmerling („no panic for organic“) und Chefarzt Dr. Jürgen Dirks. Foto Krämer

LÜDINGHAUSEN. Offen für das Thema ist man am St.-Marien-Hospital Lüdinghausen schon immer gewesen. Dennoch möchte das Haus künftig zusammen mit der Initiative „no panic for organic“ durch Information und Aufklärung verstärkt um eine höhere Bereitschaft zur Organspende in der Bevölkerung werben.

„Ein brennendes Thema“, sagt Dr. Jürgen Dirks, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin. Das Interesse der Menschen an der Organspende sei hoch. Das bestätigten auch Umfragen. „Nur es fehlt am persönlichen Zuspruch“, umschreibt der Mediziner den Mangel an Spenderorganen. Auf eine Niere, eine Leber oder auch ein Herz eines Verstorbenen warten in Deutschland in der Tat Tausende Patienten. Und viele warten bis zu ihrem vorzeitigen Tod vergebens.

„Es fehlt auch an Information und Aufklärung“, weiß Dieter Kemmerling, einer der Mitbegründer der in Münster gegründeten Initiative „no panic for organic“. Er weiß, wovon er spricht. Vor zehn Jahren war er plötzlich selbst auf die Übertragung eines lebenswichtigen Organs angewiesen. Glücklicherweise kam seine Spenderleber rechtzeitig. Kemmerling: „Was sich viele gar nicht klarmachen: Die Situation kann jeden treffen und von einem Tag zum anderen eintreten.“

Für die Information von Patienten und Angehörigen im Marien-Hospital ist Susanne Rauschenbach zuständig. Sie ist seit 2004 die Transplantationsbeauftragte im Haus, eine Position, die an allen Krankenhäusern besetzt sein muss. Die Funktion kann aber offenbar so oder so ausgeübt werden. „Es ist schlimm, aber viele Krankenhäuser beschäftigen sich nicht mit dem Thema Organspende“, weiß Rauschenbach, die auch das Verfahren dafür in der Klinik koordiniert.

Das ist in Lüdinghausen offenbar anders. So bekam die Anästhesistin 2006 vom damaligen Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann eine Auszeichnung für die Transparenz ihrer Tätigkeit.
Dazu zählen vor allem – Gespräche. „Es ist wichtig, mit dem Patienten vor der OP über seine Wünsche zu sprechen, auch darüber, ob er im Fall der Fälle intensivmedizinisch behandelt werden möchte oder nicht“, so Rauschenbach. Ganz wichtig sei auch „das Umfeld“, also die Angehörigen, deren Zustimmung Voraussetzung für die mit vielen Ängsten besetzte Organentnahme sei. Zu dieser sei es am Marien-Hospital erst in zwei Fällen gekommen. Ein Spenderausweis allein sei nicht ausreichend.

„Wir sehen es als unsere Aufgabe an, einfach erst einmal über das Thema Organspende zu informieren und dafür zu sensibilisieren“, sagt Verwaltungsleiterin Monika Kleingräber-Niermann. Dazu dienen ein neues Faltblatt und ein eigener Organspendeausweis im Scheckkartenformat. Beides liegt in der Klinik für Patienten und Besucher aus.

Die neue Zusammenarbeit von Hospital und „no panic for organic“ wird in diesem Jahr weitere Früchte tragen. Im Sommer ist ein Benefizkonzert für die Initiative auf dem Krankenhausgelände geplant.
 

Weitere Infos zur Organspende
Derzeit warten rund 12 000 Menschen in Deutschland auf die lebensrettende Transplantation eines Organs. Zwar ist die abstrakte Bereitschaft der Deutschen, ein Organ zu spenden, in Umfragen groß, doch tragen nur 17 Prozent von ihnen einen Spendeausweis bei sich. Statistisch betrachtet, sterben täglich drei Menschen, weil für sie kein Spenderorgan zur Verfügung steht. In der Bundesrepublik kommen 16 Spender auf eine Million Einwohner, in Spanien etwa sind es 34.

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Beitrag von: Thomas Krämer
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